Der Kirchenchor St. Marien

1.   Das Selbstverständnis unseres Kirchenchores:

Kirchenchorarbeit ist mehr, als ein „Spitzendeckchen“ zur Verzierung der Gottesdienste. Sie bemüht sich darum, das kirchenmusikalische Erbe ebenso einzufangen, wie den Klang der heutigen Zeit. Es ist ein Bemühen zwischen Bewahren und Erfinden. Es geht darum, das Alte und das Neue, das Bewährte und das Unerprobte so zum Klingen zu bringen, dass heutige Menschen sich angesprochen fühlen. Unser Kirchenchor ist sich dieser Aufgabe sehr bewusst. Dem dient auch die Anschaffung der Sammlung „Glory to God“, Englische Chormusik aus fünf Jahrhunderten in Deutscher und Lateinischer Sprache für den Propsteichor St. Marien. Der englische Titel drückt gleichzeitig aus, worum es auch heute noch geht, um Gottes Ehre und um sein Lob. Dem dient auch das Wagnis  völlig neue, bisher noch nie gesungene und aufgeführte Werke zu schaffen, wie das Lied zum Papstbesuch „Führ in die Weite, Herr“.

Wenn unser Propsteichor St. Marien sich an jedem Mittwoch von 20.00 bis 22.00 Uhr im Gemeindehaus St. Marien, Lindenallee 42, zur Probe trifft, begegnen wir einer faszinierenden musikalischen Welt. Unser Leiter, Herr KMD Michael Taxer versteht es in einzigartiger Weise, uns in die Klangfarben der verschiedenen Epochen kirchenmusikalischer Vergangenheit und Gegenwart hinein zu führen. Mitten im Alltag und am Abend eines ganz normal anstrengenden Werktages geschieht dann das Andere: Die Begegnung mit bedeutender Musik, mit Gedanken und Worten, die den Alltag hinter sich lassen und das Herz mit Weite füllen. Und noch etwas ereignet sich: Fremde werden zu Freunden, die sich darauf freuen, einander zu begegnen und dies Stück Leben miteinander zu teilen. Deswegen freuen wir uns über jedes neues Chormitglied.

Neben der kirchenmusikalischen Gestaltung der Gemeindegottesdienste zu den hohen kirchlichen Zeiten, Sonn- und  Festtagen (z. B. Ostern, Weihnachten, Pfingsten)  geht es auch um gemeinsame Gottesdienstgestaltungen mit den anderen Kirchenchören der Stadt (z. B. Fronleichnam). Ein unvergessliches Ereignis wird für immer die musikalische  Gestaltung der Papstvesper in Etzelsbach am 23.09.2011 durch die katholischen Kirchenchöre Heiligenstadts und die Jugendchöre des Eichsfeldes bleiben. Den Stellenwert des Unvergesslichen wird auch die gemeinsame Fahrt der Kirchenchöre des Eichsfeldes nach Rom im Oktober 2011 behalten.

Kontakt kann  telefonisch über das Pfarrbüro von St. Marien (03606/52083) aufgenommen werden.

 

2.    Kirchenmusikdirektor Michael Taxer:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Nachfolger für Herrn KMD. Walter Bim wurde Herr  Michael Taxer berufen, der seit Mai 2001 den Kirchenchor leitet.

KMD Michael Taxer, geb. am 20.12.1966, erhielt bereits mit fünf Jahren seinen ersten Klavierunterricht und trat mit acht zum ersten Mal öffentlich auf. Während seiner Zeit an der Musikschule Mönchengladbach nahm er an nationalen und internationalen Wettbewerben teil, bei denen er mehrmals erste Preise gewann. Sein Interesse galt aber auch schon der Kirchenmusik, wo er, regelmäßig Chöre in Messen und Konzerten seit seinem 16. Lebensjahr begleiten und dirigieren durfte.

Hierbei wurde er damals von seinem jetzigen Kollegen Hans Widler immer wieder gefördert.

Nach dem Abitur in Mönchengladbach studierte Michael Taxer zunächst Klavier an der Musikhochschule Westfalen-Lippe in Dortmund, wo er das staatliche Musiklehrerexamen ablegte. 1988 erhielt Michael Taxer Klavierunterricht bei Peter Feuchtwanger/London und studierte in Pescare/Italien Kammermusik.

1993 - 1999 studierte er Kirchenmusik in Düsseldorf an der Robert-Schumann-Hochschule, an der er das staatliche Kirchenmusikerexamen als Kantor ablegte. Zu dieser Zeit war er als Organist und Chorleiter in Mönchengladbach/Hehn angestellt und künstlerischer Leiter der Chorkonzerte der Pfarren im Dekanat, die oft zusammen mit den Chören und Kollegen aus den Nachbargemeinden ausgeführt wurden.

 

 

Herr Taxer mit dem Dresdener Blechbläserquartett

Sein Engagement reichte aber über Mönchengladbach hinaus. So war er in Düsseldorf von 1996 - 2000 ständiger Chorrepititor an St. Maximilian und beim Chor des städtischen Musikvereins. Zur gleichen Zeit war Herr Taxer Assistent des Basilikaorganisten Professor Wolfgang Seifen an St. Marien zu Kevelaer. Zweimal erhielt er ein Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für die 11. und 12. Orgelakademie in Altenberg und nahm an Orgelimprovisations- und Literaturkursen von Daniel Roth/Paris, Michel Bouvard/Toulouse, und Phillip Lefervre/Lyon teil. 
Seine Konzerte führten Kantor Michael Taxer immer wieder ins In- und Ausland, in denen er nicht nur Literatur spielte, sondern auch immer wieder die hohe Kunst der Improvisation in besonderem Maße pflegte.

Seit dem 1. Mai 2001 ist Herr Kantor Taxer Nachfolger von Kirchenmusikdirektor Walter Bim an St. Marien zu Heilbad Heiligenstadt. Hier hat er als künstlerischer Leiter die Tradition der Mittwochnachmittagskonzerte von KMD Herrn Walter Bim übernommen, ebenso die Leitung des Kirchenchores von St. Marien. Seit nunmehr zehn Jahren erfreut der von ihm inizierte und organisierte Orgelherbst die Musikbegeisterten des Eichsfeldes.

Im Advent 2011 verlieh ihm Bischof Dr. Wanke den Titel eines Kirchenmusikdirektors (KMD)

 

 

Gründungsurkunde 1895

1.    Auszug aus der Geschichte des Kirchenchores (verfasst von A. Heinevetter):

Gegründet am 2. Februar 1895 unter dem damaligen Propst Karl Nolte (1893-1912) konnte der Kirchenchor St. Marien bereits im Jahr 1995 auf eine 100 jährige Geschichte zurückschauen.  Somit stellt sich die Frage, was eine Gemeinschaft sangesfreudiger und für die Kirchenmusik begeisterter Gemeindemitglieder für das Leben unserer Gemeinde bedeutet.

Propst Nolte legte in einer Sonntagspredigt zu Jahresbeginn 1895 Notwendigkeit und Zweck eines Kirchenchores dar und forderte sangeskundige und sangesfreudige Männer zum Eintritt in die Chorgemeinschaft auf.   Fünfzehn Männer meldeten sich zum angesetzten Termin. Der junge Lehrer Karl Fick konnte als Dirigent gewonnen werden, der aus den sangesbereiten Herren am 2. Februar 1895 den Kern des neuen Chores bildete. Erste urkundliche Erwähnung findet die Kirchenchorgründung der Propsteigemeinde in einem Brief des damaligen Propstes Karl Nolte vom 21. Juni 1895 an den Diözesanpräses des Cäcilienverbandes in Paderborn.

Der 1. Chordirigent - Konrektor Karl Fick - starb am 13. April 1946. Zu dessen Nachfolger wurde der in unserer Gemeinde seit 1942 ansässige Organist und Musikerzieher Adalbert Gabel am 1. Juni 1946 bestellt. Herr Gabel beendete seinen Dienst im Dezember 1954.

Am 1. März 1955 übernahm als neuer Dirigent und Chorleiter Herr Organist Walter Bim unseren Kirchenchor. Gerade erst seinen 22. Geburtstag gefeiert, saß Walter Bim am 6. Januar 1955 zum "Probespiel" an der "Späth-Orgel" der Altstädter Kirche, woraus eine Lebensaufgabe für ihn werden sollte. Seine Ausbildung erhielt Walter Bim an der Weimarer "Franz Liszt-Hochschule" unter Professor Ernst Köhler. Zu seinen "Lehrmeistern" gehörte auch Herr Kirchenmusikdirektor Wilhelm Kümpel.

Walter Bim wurde uns allen sehr schnell bekannt als ausgezeichneter Interpret moderner Chor- und Orgelmusik. Vier Jahrzehnte schon prägt er entscheidend die kirchenmusikalische Landschaft im Eichsfeld mit. Sein Wirken in der "MUSICA SACRA" fand die besondere Anerkennung im Juli 1979 durch unseren Bischof Hugo Aufderbeck in der Ernennung zum KIRCHENMUSIKDIREKTOR.

 

Kirchenchor beim Sommerausflug ca. 1930

Zum 40-jährigen Dienstjubiläum im März 1995 zeichnete ihn Bischof Joachim Wanke mit der Elisabeth-Medaille des neuen Bistums Erfurt aus. Kurz darauf erfolgte Ernennung zum Regionalkantor für das Eichsfeld.

Mit Walter Bim war die Chorarbeit nicht nur auf unseren eigenen Kirchenraum beschränkt, sondern hatte auch seine Ausstrahlung auf den gesamten Thüringer Raum.

Unter seiner Leitung übernahm der Chor mehrfach Aufgaben bei der musikalischen Gottesdienstgestaltung der Männer- und Frauenwallfahrten aber auch bei Bistumswallfahrten zum Marien-Dom in Erfurt. Besondere Erwähnung finden soll das Singen zu Priesterweihen in Erfurt, zur Bischofsweihe des Weihbischofs Joachim Meisner sowie zum Requiem für unseren früheren Bischof Hugo Aufderbeck, wobei zu diesen Anlässen das gemeinsame Auftreten der drei Heiligenstädter Kirchenchöre zu nennen ist.

Hingewiesen sei auch auf das Engagement des Chorleiters zur Gestaltung von Gottesdiensten in den verschiedensten Diasporastationen des Thüringer Landes.

 

Vorm Bundestagsgebäude in Bonn

Unter der Regie Walter Bim’s stand 1977 das erste große Kirchenchortreffen Eichsfelder Chöre in unserer Pfarrkirche mit Bischof Hugo Aufderbeck und Weihbischof Meisner. Weitere Chortreffen folgten 1980 in Worbis - Antoniuskirche - 1986 in Bickenriede und erneut 1992 in Heiligenstadt.

Den  Chorleitern und Dirigenten der mehr als 100 Jahre währenden Geschichte unseres Kirchenchores  - Karl Fick, Adalbert Gabel, Walter Bim und Michael Taxer - gilt unser Dank und ehrendes Andenken für die unermüdliche und erfolgreiche Arbeit, die der Kirchenchor immer für die Gemeinde zur größeren Ehre Gottes ausgeübt hat.

Albert Heinevetter